Rückblicke und Ausblicke: Marktbericht Q1 2025
Rückblicke und Ausblicke: Marktbericht Q1 2025

Rückblicke und Ausblicke: Marktbericht Q1 2025

Wenn du wenig Zeit hast, dann zu Beginn eine Zusammenfassung:

Marktbericht Q1 2025
Zusammenfassung mit Überblick

Nach zwei außergewöhnlich starken Aktienjahren 2023 und 2024 haben die Märkte in den ersten dreieinhalb Monaten des Jahres 2025 spürbare Verluste verzeichnet. Auch andere Anlageklassen wie Bitcoin und langlaufende Anleihen mussten Rückschläge hinnehmen. Im Gegensatz dazu konnte Gold deutlich zulegen.

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

  • US-Politik als Unsicherheitsfaktor
    Die Regierung unter Donald Trump sorgt mit einseitigen Entscheidungen, Handelszöllen und geopolitisch provokanten Aussagen für große Verunsicherung. Drohungen gegen Länder wie Kanada oder Interessen am Panamakanal und in Grönland erschüttern internationale Partnerschaften. Gleichzeitig sucht die US-Regierung gezielt den Dialog mit Russland – ein Ansatz, der sowohl für Irritationen als auch für Hoffnung auf Entspannung sorgt.

  • Globale Wirtschaft trotzt den Krisen
    Trotz geopolitischer Belastungen rechnet der Internationale Währungsfonds für 2025 mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,3 %. Während die Industrieländer nur moderat wachsen, bleiben Schwellenländer – insbesondere in Asien – der wichtigste Wachstumsmotor. Die Unterschiede zwischen Regionen und Ländern nehmen deutlich zu.

  • Inflation und Zinsen: Ein gemischtes Bild
    Die Inflation geht in Europa und den USA leicht zurück, in Großbritannien und Japan jedoch wieder leicht nach oben. In China herrscht Deflation. Die Zentralbanken reagieren unterschiedlich: Während die EZB und Bank of England die Zinsen senken, bleibt die US-Notenbank passiv. In Japan steigen die Zinsen, in China bleibt alles beim Alten.

  • Industrie schwächelt – Dienstleistungen stabilisieren
    Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe ist weltweit verhalten. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen für viele westliche Volkswirtschaften Werte unter der Wachstumsschwelle. Der Dienstleistungssektor, der meist über 60 % der Wirtschaftsleistung ausmacht, bleibt dagegen ein stabilisierender Faktor.

  • Kapitalmärkte: Europa stark, USA schwächelt
    US-Aktienmärkte geraten unter Druck, vor allem Tech-Titel verlieren deutlich. Europäische Märkte hingegen legen spürbar zu, ebenso wie Hongkong. Die Rotation internationaler Kapitalströme zugunsten günstiger bewerteter Märkte ist klar erkennbar. Anleihenmärkte zeigen in Europa steigende Renditen trotz sinkender Leitzinsen – ein Warnsignal.

  • Euro gewinnt – aber auf Zeit?
    Der Euro kann gegenüber dem US-Dollar deutlich zulegen – allerdings nicht aufgrund starker Fundamentaldaten, sondern wegen taktischer Umschichtungen. Sollte sich Europa nicht geopolitisch und wirtschaftlich stabilisieren, könnte diese Stärke rasch wieder schwinden.

  • Gold glänzt, Bitcoin verliert
    Gold wird erneut als sicherer Hafen genutzt und erreicht ein Allzeithoch. Bitcoin hingegen verliert zweistellig – seine Rolle als Krisenwährung scheint zu verblassen.

  • Fazit & Ausblick
    Die Weltwirtschaft hält sich überraschend gut. Doch viele Entwicklungen bleiben fragil: Die US-Zollpolitik, die ungelösten Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie strukturelle Schwächen in Europa sind Risiken. Besonders Deutschland steht vor einem Reformstau. Chancen auf eine geopolitische Entspannung bestehen – wenn auch unter Vorbehalt.

Jetzt ausführlicher:

Marktbericht Q1 2025

US-Politik sorgt für Unsicherheit in Politik, Wirtschaft und an den Märkten

Im ersten Quartal 2025 haben politische Entscheidungen der US-Regierung unter Donald Trump für erhebliche Unruhe gesorgt. Viele Strukturen und Abläufe, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs galten, werden nun infrage gestellt. Das betrifft sowohl die reale Wirtschaft als auch die Finanzmärkte.

Während die Weltwirtschaft bislang stark auf internationalen Regeln und Zusammenarbeit (Multilateralismus) beruhte, verfolgen die USA aktuell eher Einzelabsprachen mit einzelnen Ländern (bilaterale Beziehungen). Dabei zählt weniger das Völkerrecht, sondern vielmehr politische oder wirtschaftliche Macht. Gleichzeitig streben viele Länder des Globalen Südens weiterhin eine geregelte und rechtsbasierte internationale Zusammenarbeit an.

Als Reaktion auf die angekündigten US-Zölle ist davon auszugehen, dass die betroffenen Länder vergleichbare Gegenzölle auf amerikanische Waren erheben werden. Wie sich diese handelspolitische Auseinandersetzung im Detail und langfristig entwickeln wird, bleibt jedoch ungewiss. Es ist nicht auszuschließen, dass die Trump-Regierung ihre Maßnahmen in den kommenden Monaten abschwächen muss – nicht zuletzt, weil sich erste negative Folgen für die US-Wirtschaft abzeichnen: Dazu zählen steigende Langfristzinsen, die sowohl den Schuldendienst auf die hohe Staatsverschuldung als auch auf private Hypotheken verteuern, potenziell belastende Effekte für den US-Aktienmarkt (65 % der US-Haushalte besitzen Aktien) sowie ein möglicher Inflationsanstieg. Auch in Europa sind die langfristigen Zinsen zuletzt gestiegen.

Besonders irritierend sind US-Interessen an Gebieten wie Grönland, Kanada und dem Panamakanal – mit der Drohung, diese Interessen notfalls auch militärisch durchzusetzen. Das erhöht die Unsicherheit weltweit.

Auf der anderen Seite ist die US-Regierung offenbar bemüht ist, den Ukraine-Krieg zu beenden und wirtschaftliche Beziehungen mit Russland wieder aufzubauen – auch gegen Widerstand aus Europa, besonders aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich.

Im Nahen Osten bleibt die Lage angespannt. Die USA stehen klar an der Seite Israels. Ob es für Palästina eine Perspektive gibt, ist offen. Eine dauerhafte Lösung für die Region ist nicht in Sicht.

Ein besonderes Problem stellt die US-Zollpolitik dar. Zölle verteuern importierte Waren künstlich und belasten dadurch Unternehmen und das allgemeine Wirtschaftswachstum. Die Angst vor einem eskalierenden Handelskonflikt hat im ersten Quartal 2025 die Unsicherheit an den Märkten zusätzlich erhöht.

Hintergrund:
Diese aggressive Zollpolitik ist nur möglich, weil die USA in den Jahren 2014 bis 2019 die Schiedsgerichte der Welthandelsorganisation (WTO) lahmgelegt haben – indem sie die Ernennung neuer Richter blockierten. Damit fehlt ein wirksames Instrument zur Durchsetzung internationaler Handelsregeln. Die USA verletzen mit ihrer Zoll- und Sanktionspolitik seit Jahren geltendes WTO-Recht, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

Weltwirtschaft:
Wachstum trotz Unsicherheiten

Trotz politischer Spannungen und zahlreicher Krisenherde blieb die Weltwirtschaft im ersten Quartal 2025 auf einem moderaten Wachstumskurs. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Januar seine Prognose für das globale Wirtschaftswachstum leicht von 3,2 % auf 3,3 % angehoben.

Dabei zeigen sich klare Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern:

  • Die Industrieländer sollen laut IWF 2025 um 1,9 % wachsen (vorher 1,8 %).
  • Die Schwellenländer (z. B. in Asien, Afrika, Lateinamerika) wachsen deutlich stärker mit 4,2 % (unverändert zur Vorprognose).

Innerhalb der Industrieländer ist das Bild uneinheitlich:

  • Für die USA wurde die Prognose um 0,5 % auf 2,7 % nach oben korrigiert.
  • In der Eurozone wurde sie dagegen um 0,2 % auf 1,0 % gesenkt.
  • Besonders Deutschland bremst: Die Wachstumsprognose wurde um 0,5 % auf nur noch 0,3 % reduziert.

Der Globale Süden – vor allem Asien – bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. Für die asiatischen Länder liegt die IWF-Prognose 2025 bei 5,1 % (vorher 5,2 %).

Stimmung in der Wirtschaft: Unterschiedliches Bild weltweit

Ein guter Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind die sogenannten Einkaufsmanagerindizes. Diese zeigen, ob Unternehmen ihre Aktivitäten ausweiten (Werte über 50 Punkte) oder zurückfahren (unter 50 Punkte).

Hier das Bild zum Ende des ersten Quartals 2025 (Composite Index = Gesamtsicht aller Branchen):

  • USA: 53,5 Punkte – deutliche Wachstumsanzeichen
  • Großbritannien: 52,0 Punkte – ebenfalls Wachstum
  • Eurozone: 50,4 Punkte – nur leicht über der Grenze
  • Japan: 48,5 Punkte – Rückgang der Wirtschaftsleistung

Inflation, Rohstoffe und Zinspolitik im
1. Quartal 2025

Preisentwicklung – leichte Entspannung bei Energie, Anstieg bei Metallen

Im ersten Quartal 2025 gab es bei vielen Rohstoffen Preisbewegungen, die sich unterschiedlich auf die Inflation auswirkten:

  • Öl (Brent): Der Preis sank im Quartalsvergleich um knapp 2 %.
  • Erdgas: In Europa fielen die Preise um etwa 4 %, in den USA stiegen sie hingegen um rund 3 %.
  • Metalle: Hier gab es deutliche Preissteigerungen:
    • Kupfer: +11 % in US-Dollar, +6,5 % in Euro
    • Nickel: +5 % in USD, +1,5 % in EUR
    • Aluminium: +2,5 % in USD, -1,5 % in EUR

Inflation – insgesamt rückläufig, aber mit Ausnahmen

Insgesamt zeigte sich bei den Verbraucherpreisen (Inflation) eine leichte Entspannung:

  • Eurozone: Rückgang von 2,4 % auf 2,3 %
  • USA: Rückgang von 2,9 % auf 2,8 %
  • Großbritannien: Anstieg von 2,5 % auf 2,8 %
  • Japan: Anstieg von 3,6 % auf 3,7 %
  • China: Rückgang um 0,7 % – dort herrscht aktuell Deflation. Auch die Produzentenpreise fielen dort um 2,3 %.

Zentralbanken reagieren unterschiedlich auf die Lage

Die Reaktionen der Notenbanken auf die wirtschaftliche Situation fielen je nach Region unterschiedlich aus:

  • Europäische Zentralbank (EZB): Zwei Zinssenkungen um je 0,25 % – Leitzins liegt nun bei 2,5 %
  • US-Notenbank (Fed): Keine Änderung, der Zinssatz bleibt bei 4,375 %
  • Großbritannien: Zinssenkung um 0,25 % auf 4,5 %
  • Japan: Wegen steigender Preise wurde der Leitzins um 0,25 % auf 0,5 % erhöht
  • China: Trotz Deflation keine Veränderung – Zinssätze bleiben bei 3,1 % (1 Jahr) bzw. 3,6 % (5 Jahre)

Ausblick auf 2025: Ein Jahr der Turbulenzen

Politische Unsicherheiten beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung

Die USA verursachen mit ihrer aktuellen Außen- und Handelspolitik weltweit wirtschaftliche Spannungen. Der Stil der Trump-Regierung – geprägt von maximalen Forderungen – verunsichert viele Länder. Gleichzeitig zeigt sich jedoch Verhandlungsbereitschaft. Ziel ist es, für die USA wirtschaftlich vorteilhafte Abkommen („Deals“) abzuschließen.

Zölle als politische Waffe – und ihre Folgen

Im April 2025 treten die angekündigten US-Zölle in Kraft. Danach sollen laut Trump Gespräche mit einzelnen Ländern stattfinden. Viele Staaten zeigen sich inzwischen gesprächsbereit, darunter Indien, Vietnam und die EU. Ziel ist es, Zollerhöhungen abzuwenden oder abzumildern.

Auch die US-Wirtschaft spürt Gegenwind

In den USA selbst mehren sich die kritischen Stimmen zur aktuellen Wirtschaftspolitik. Die Stimmung bei kleinen Unternehmen hat sich verschlechtert, das Verbrauchervertrauen ist eingebrochen. Ein Frühindikator der US-Notenbank von Atlanta (GDPNow-Modell) zeigt für das erste Quartal ein erwartetes Minuswachstum von 2,8 % (hochgerechnet aufs Jahr).

Erwartungen an das Jahr 2025

Die Hoffnung auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum weicht zunehmend der Realität: Wahrscheinlich wird es bei einem moderaten Wachstum bleiben. Der Internationale Währungsfonds wird im April neue Prognosen vorlegen – mit leichteren Rücknahmen der Erwartungen ist zu rechnen.

Ukraine-Krieg: Friedenssignale aus den USA – Europa bremst

Die USA verfolgen weiterhin das Ziel, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Das würde auch der europäischen Wirtschaft helfen. Doch die Regierungen in Großbritannien, Frankreich und Deutschland stehen einer Annäherung an Russland skeptisch gegenüber. Die EU wirkt insgesamt unbeweglich und hält an der bisherigen Linie fest – ein Friedensimpuls scheint kurzfristig nicht in Sicht.

Europa politisch und wirtschaftlich im Nachteil

Deutschland und Frankreich bleiben politisch instabil. Nach den Wahlen in Deutschland fehlen klare Reformpläne. Stattdessen setzt man auf mehr Geld – ohne die nötigen strukturellen Veränderungen. Wirtschaftsverbände reagieren zunehmend kritisch. Es wächst das Risiko, dass Unternehmen abwandern und Deutschland die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Eurozone bremst.

USA: Investitionen trotz Zöllen

In den USA werden gleichzeitig große Investitionen angekündigt – vor allem in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Pharma. Beispiele:

  • Johnson & Johnson: 55 Mrd. USD
  • Eli Lilly: 27 Mrd. USD

Das stärkt die langfristigen Wachstumsaussichten. Wenn das Thema Zölle ab Sommer 2025 an Bedeutung verliert, könnte sich die US-Wirtschaft wieder stabilisieren – auch begünstigt durch niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und günstige Energie.

China: Konjunkturprogramme zeigen Wirkung

Die chinesische Regierung unterstützt die Wirtschaft mit gezielten Programmen. Zinssenkungen sind wegen der aktuell hohen realen Zinsen jederzeit möglich. Insgesamt deutet vieles auf eine stabile Entwicklung mit positiver Tendenz hin.

Weltweite Frühindikatoren deuten auf verlangsamtes Wachstum

Der globale Einkaufsmanagerindex (Global Composite PMI) von JP Morgan fiel im Februar 2025 auf 51,5 Punkte – der niedrigste Wert seit Dezember 2023. Besonders im verarbeitenden Gewerbe stagnieren oder sinken die Werte in den Industrieländern:

  • USA: 49,8 Punkte
  • Eurozone: 48,7 Punkte (Deutschland: 48,3)
  • Japan: 48,3 Punkte
  • Großbritannien: 44,6 Punkte

Demgegenüber stehen positive Werte in den Schwellenländern:

  • Indien: 57,6
  • Brasilien: 53,0
  • China: 51,1 bis 51,5
  • Russland: 50,2

Dienstleistungssektor stabilisiert das Wachstum

Der Dienstleistungsbereich, der rund zwei Drittel der Gesamtwirtschaft ausmacht, bleibt trotz nachlassender Dynamik ein Wachstumsmotor.

Zinsen, Anleihen und Kapitalmärkte im
1. Quartal 2025

Zinssenkungen sollen Wirtschaft stützen – mit gemischter Wirkung

Die gesunkenen Leitzinsen in der Eurozone (um 0,5 %) und im Vereinigten Königreich (um 0,25 %) haben grundsätzlich das Ziel, die Wirtschaft zu unterstützen. Sie sorgen für niedrigere kurzfristige Finanzierungskosten und stärken das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten. Allerdings hat sich diese Wirkung nicht auf die Anleihenmärkte übertragen.

Steigende Renditen bei Staatsanleihen – Ausnahme USA

Trotz Zinssenkungen stiegen die langfristigen Zinsen (Renditen) in Europa:

  • In Deutschland stieg die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen von 2,36 % auf 2,74 %
  • In Großbritannien von 4,57 % auf 4,68 %

In den USA hingegen sanken die Renditen – obwohl es dort keine Zinssenkung gab. Die 10-jährige US-Anleihe fiel von 4,52 % auf 4,22 %. Der Grund: schwächere Wirtschaftsdaten und ein abwartender Kurs der US-Notenbank.

Ergebnis: Kurzfristig günstiger, langfristig teurer

Die Zinssenkungen wirken also am Geldmarkt (kurzfristige Kredite), nicht aber am Kapitalmarkt (langfristige Investitionen). Das bedeutet:

  • Für Unternehmen wird die kurzfristige Finanzierung günstiger
  • Für Investitionen mit langfristiger Finanzierung bleibt der Kostendruck hoch

Rohstoffpreise: Keine größeren Auswirkungen

Im ersten Quartal 2025 hatten die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten nur geringe direkte Auswirkungen auf die globale Wirtschaft oder Finanzmärkte.

Zukunft der Weltwirtschaft hängt an der Geopolitik

Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind politische Entwicklungen:

  • Die US-Zollpolitik und die Reaktionen anderer Länder
  • Der Ukraine-Krieg und die Chancen auf Frieden
  • Die Lage im Nahen Osten

Entspannung in diesen Bereichen würde der Weltwirtschaft deutlichen Auftrieb geben.

Schwellenländer bleiben im Vorteil – Deutschland bremst Europa

Die Unterschiede zwischen den Industrieländern und dem Globalen Süden werden sich weiter vergrößern – zugunsten der Schwellenländer. Innerhalb Europas bleibt Deutschland das Sorgenkind. Ohne eine deutliche Kurskorrektur wird sich das nicht ändern.

Finanzmärkte im 1. Quartal 2025

Aktienmärkte: Europa im Aufwind, USA und Japan unter Druck

Im ersten Quartal kam es zu deutlichen Umschichtungen an den Börsen. Während US-Aktien und japanische Titel an Wert verloren, konnten sich europäische Märkte deutlich erholen.

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

  • Der MSCI World Index, ein globaler Aktienindex, fiel um 2,14 %. Grund: sein hoher US-Anteil.
  • Deutschland (DAX) legte um über 11 % zu.
  • EuroStoxx 50 stieg um 8,5 %.
  • USA:
    • S&P 500: -4,6 %
    • US-Technologieindex (NASDAQ 100): -8,3 %
  • Japan (Nikkei): -10,7 %
  • Hongkong (Hang Seng): +15,3 %
  • Festlandchina (CSI 300) und Indien (Sensex): leicht rückläufig

Ursachen der Kursbewegungen

Die Märkte reagierten auf die veränderten Erwartungen bezüglich der US-Zinspolitik:

  • Anfangs gab es Hoffnung auf niedrige Steuern, weniger Bürokratie und günstige Energie (pro Trump)
  • Später wuchsen Sorgen wegen der drohenden US-Zölle

Vor allem hoch bewertete US-Aktien gerieten unter Druck. Gleichzeitig fand eine Umschichtung in europäische Aktien statt – diese gelten als günstiger bewertet und geopolitisch stabiler. Der Markt in Hongkong profitierte ebenfalls von dieser Rotation.

In der öffentlichen Diskussion über den jüngsten Einbruch an den Aktienmärkten wird jedoch oft übersehen, dass zwei Segmente besonders stark betroffen waren: US-Aktien aus regionaler Sicht und Technologieaktien aus sektoraler Sicht. Beide galten nach über zehn Jahren außergewöhnlich hoher Renditen bis Ende 2024 als überdurchschnittlich hoch bewertet – also „teuer“. Im Gegensatz dazu waren andere Marktsegmente wie „Welt ex USA“ und „Welt ex Tech“ Ende 2024 normal oder sogar günstig bewertet.

Die aktuellen Verluste bei US- und Tech-Aktien könnten daher den Beginn einer schrittweisen Bewertungskorrektur markieren – einer Rückkehr zu normaleren Bewertungsniveaus. Diese Entwicklung wurde durch die jüngste protektionistische Rhetorik angestoßen, ist aber nicht ausschließlich durch sie verursacht. Eine vollständige Anpassung – etwa in Form einer anhaltend schwächeren Wertentwicklung von US- und Tech-Aktien gegenüber dem globalen Durchschnitt – könnte sich allerdings noch über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Zinsen und Anleihenmärkte: Uneinheitliches Bild

In Europa stiegen die langfristigen Zinsen, trotz Zinssenkungen durch die EZB und die Bank of England. Offenbar vertrauten die Märkte nicht darauf, dass diese Maßnahmen ausreichen, um die Wirtschaft zu stabilisieren.
In den USA hingegen fielen die Anleiherenditen – aufgrund schwächerer Wirtschaftsdaten und fehlender Zinssenkungen.

Renditeentwicklung 10-jähriger Staatsanleihen (Auswahl):

  • Deutschland: von 2,36 % auf 2,74 % → Realzins: +0,44 %
  • Großbritannien: von 4,56 % auf 4,68 % → Realzins: +1,88 %
  • USA: von 4,52 % auf 4,21 % → Realzins: +1,41 %
  • Japan: von 1,07 % auf 1,47 % → Realzins: -2,23 %
  • China: von 1,69 % auf 1,88 % → Realzins: +2,58 %

Fazit zum Anleihemarkt:
In Europa werfen hohe Staatsausgaben (z. B. für Rüstung) und strukturelle Defizite lange Schatten. Die Zinssenkungen haben am Anleihemarkt keine Wirkung entfaltet – im Gegenteil: Die Finanzierungskosten für Staaten steigen.

Devisenmärkte: Euro im Aufwind – aber auf dünnem Eis

Der Euro konnte gegenüber dem US-Dollar um 4,5 % zulegen – Grund waren geopolitische Neubewertungen zugunsten Europas und eine stärkere Ausrichtung internationaler Anleger auf europäische Aktien.

Weitere Wechselkursentwicklungen (Dez. 2024 → März 2025):

  • EUR-USD: 1,0352 → 1,0818 (+4,5 %)
  • EUR-JPY: 162,64 → 162,20 (-0,27 %)
  • EUR-CHF: 0,9387 → 0,9566 (+1,9 %)
  • EUR-GBP: 0,8271 → 0,8370 (+1,19 %)

Achtung: Die derzeitige Euro-Stärke beruht hauptsächlich auf kurzfristigen Umschichtungen von Investoren. Sie ist nicht durch starke Fundamentaldaten gedeckt – ein Rückschlag ist jederzeit möglich, vor allem, wenn Europa bei geopolitischen Fragen (z. B. Ukraine) weiter blockiert.

Gold & Bitcoin: Zwei gegensätzliche Entwicklungen

  • Gold war der große Gewinner des Quartals: +19 % – es erreichte Ende März ein neues Allzeithoch (3.127 USD), gestützt durch die weltweiten Unsicherheiten.
  • Bitcoin dagegen verlor deutlich: -11,5 % – offenbar spielte seine Rolle als „sicherer Hafen“ diesmal keine tragende Rolle.


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