Geldmarkt und Anleihen: Welche Rolle spielen sie für Ihr Vermögen?
Geldmarkt und Anleihen: Welche Rolle spielen sie für Ihr Vermögen?

Geldmarkt und Anleihen: Welche Rolle spielen sie für Ihr Vermögen?

Wie die Bausteine zusammenwirken, warum ihre Kurse schwanken können und für welches Geld sie geeignet sind.

„Warum kann ein Anleiheportfolio im Wert schwanken, obwohl die Anleihen laufend Zinsen zahlen?“

Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich: Anleihen zahlen Zinsen – trotzdem kann ihr Wert zwischenzeitlich fallen.

Der Grund liegt darin, dass eine Anleihe zwei Dinge gleichzeitig hat: einen laufenden Zinsertrag und einen Marktpreis. Dieser Marktpreis verändert sich, wenn sich das allgemeine Zinsniveau verändert.

Steigen die Marktzinsen, werden neu ausgegebene Anleihen attraktiver. Bereits bestehende Anleihen mit niedrigeren Zinsen verlieren relativ an Attraktivität – ihr Kurs kann sinken. Fallen die Marktzinsen, kann der gegenteilige Effekt eintreten.

Deshalb schließen laufende Zinserträge zwischenzeitliche Kursverluste nicht aus.

Gerade bei Anleihefonds kommt hinzu, dass viele einzelne Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Schuldnern zusammengefasst werden. Der Wert des Fonds verändert sich daher laufend mit den Märkten.

Warum die Laufzeit eine wichtige Rolle spielt

Wie stark eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert, hängt unter anderem davon ab, wie lange und in welcher zeitlichen Struktur ihre Zahlungen noch gebunden sind. Vereinfacht gilt: Je länger diese Zinsbindung, desto stärker reagiert der Kurs typischerweise auf Veränderungen des Marktzinses.

Eine sehr kurz laufende Anleihe wird relativ bald zurückgezahlt. Deshalb wirkt sich eine Veränderung des Zinsniveaus meist weniger stark auf ihren Wert aus.

Bei einer länger laufenden Anleihe ist der Zeitraum bis zur Rückzahlung größer. Entsprechend kann die Kursreaktion deutlicher ausfallen.

Steigende Zinsen haben dabei zwei Seiten: Sie können bestehende Anleihen zunächst belasten. Gleichzeitig können frei werdende Gelder später zu höheren Zinsen wieder angelegt werden. Ein Anleiheportfolio kann also zwischenzeitlich Kursverluste zeigen und trotzdem eine bessere Ausgangsbasis für künftige laufende Erträge haben.

Ob und wann frühere Kursrückgänge dadurch ausgeglichen werden, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab – unter anderem von Laufzeiten, Kreditentwicklung, Kosten und Haltedauer. Ein solcher Ausgleich ist nicht garantiert.

Welche Aufgabe der defensive Teil eines Vermögens erfüllt

In einer Vermögensplanung geht es nicht nur darum, möglichst hohe Renditen zu erzielen. Ebenso wichtig ist die Frage, wann Geld benötigt wird und welche Schwankungen für diesen Teil des Vermögens sinnvoll sind.

Kapital, das kurzfristig für eine bekannte Ausgabe gebraucht wird, hat eine andere Aufgabe als Vermögen, das über viele Jahre investiert bleiben kann.

Deshalb unterscheiden wir grundsätzlich zwischen:

  • Geld für konkret bevorstehende Ausgaben,
  • längerfristig defensiv investiertem Kapital,
  • langfristigem Wachstumsvermögen, das stärkere Schwankungen aushalten kann.

Unser kombinierter Geldmarkt- und Anleihebaustein gehört in den mittleren Bereich: Das Kapital soll grundsätzlich investiert bleiben, aber weniger stark von Aktienmarktschwankungen abhängig sein.

Welche Rolle der Geldmarkt dabei spielt

Geldmarktanlagen investieren typischerweise in sehr kurzfristige zinstragende Instrumente.

Durch diese sehr kurzen Laufzeiten reagieren sie in der Regel deutlich weniger empfindlich auf Veränderungen des Zinsniveaus als länger laufende Anleihen.

Ihre Aufgabe innerhalb unseres defensiven Bausteins besteht vor allem darin, einen besonders schwankungsarmen, sehr kurzfristigen Anteil beizusteuern und damit die gesamte Zinssensitivität des Portfolios zu begrenzen.

Wichtig ist trotzdem die Abgrenzung zu Tagesgeld: Geldmarktanlagen sind keine Bankeinlage und nicht garantiert. Auch hier können Wertschwankungen auftreten, wenn auch typischerweise deutlich geringer als bei länger laufenden Anleihen.

Für Geld, das zu einem konkret feststehenden Zeitpunkt kurzfristig benötigt wird, kann Tagesgeld deshalb eine andere Funktion erfüllen als ein defensives Wertpapierportfolio.

Was ultrakurze und kurze Anleihen beitragen

Ultrakurze und kurze Anleihen gehen gegenüber dem reinen Geldmarkt etwas weiter.

Sie können laufende Zinserträge aus einem breiteren Spektrum von Anleihen erschließen, reagieren aber weiterhin weniger stark auf Zinsänderungen als sehr lang laufende Anleihen.

Damit entsteht ein Zwischenbereich: typischerweise mehr Zins- und teilweise auch mehr Kreditrisiko als bei einer reinen Geldmarktanlage, zugleich aber meist eine geringere Zinssensitivität als bei deutlich länger laufenden Anleihen.

Genau deshalb werden verschiedene Laufzeiten miteinander kombiniert.

Es geht nicht darum, vorherzusagen, wann die Zinsen steigen oder fallen. Vielmehr soll vermieden werden, dass der defensive Teil des Vermögens von nur einem einzigen Zinsszenario abhängig ist.

Warum unterschiedliche Schuldner kombiniert werden

Neben der Laufzeit spielt auch die Frage eine Rolle, wer die Anleihe herausgegeben hat.

Unterschiedliche Emittenten haben unterschiedliche Bonitäten und damit unterschiedliche Kreditrisiken. Ein Portfolio, das ausschließlich auf einen Schuldner oder eine einzige Schuldnergruppe setzt, wäre stärker von deren Entwicklung abhängig.

Durch die Kombination verschiedener Emittenten können solche Abhängigkeiten reduziert werden.

Diversifikation beseitigt Risiken allerdings nicht. Auch ein breit aufgestelltes Anleiheportfolio kann Verluste erleiden, etwa durch Zinsänderungen, Bonitätsverschlechterungen, Kreditausfälle oder ungünstige Marktbedingungen.

Der Sinn der Kombination besteht deshalb nicht darin, Schwankungen auszuschließen, sondern Risiken breiter zu verteilen.

Ein hypothetisches Beispiel: kurzfristige Ausgabe oder längerfristiges Kapital?

Angenommen, in zwölf Monaten soll eine größere Renovierung bezahlt werden.

Der Betrag steht bereits weitgehend fest und das Geld wird zu einem konkreten Zeitpunkt benötigt.

Dieses Kapital erfüllt eine andere Aufgabe als Geld, das für die kommenden zehn Jahre investiert bleiben kann. Für die geplante Renovierung wäre ein stärker schwankendes Anleiheportfolio deshalb möglicherweise ungeeignet.

Anders sieht es bei Kapital aus, das längerfristig investiert bleiben soll, aber nicht die Schwankungen eines Aktienportfolios tragen soll. Hier kann ein kombinierter Geldmarkt- und Anleihebaustein eine andere Funktion übernehmen.

Die entscheidende Frage ist also nicht: Welche Anlage ist grundsätzlich besser?

Sondern: Wann wird das Geld gebraucht und welche Aufgabe soll es bis dahin erfüllen?

Warum laufender Zins nicht gleich tatsächliche Rendite ist

Bei Anleihen werden verschiedene Begriffe häufig miteinander vermischt.

Der Kupon ist die vereinbarte Zinszahlung einer einzelnen Anleihe.

Die Rendite bis zur Fälligkeit berücksichtigt zusätzlich den aktuellen Kaufpreis und die Rückzahlung am Laufzeitende.

Bei einem Anleihefonds hängt die tatsächliche Wertentwicklung jedoch von weiteren Faktoren ab – zum Beispiel von Kursbewegungen, Wiederanlagen, Kreditentwicklung, Kosten sowie Käufen und Verkäufen innerhalb des Fonds.

Deshalb lässt sich aus einem hohen Kupon oder einer einzelnen Renditekennzahl nicht automatisch ableiten, wie sich ein Fonds tatsächlich entwickeln wird.

Was dieser Baustein in der Ruhestandsplanung leisten kann

In der Ruhestandsplanung verändert sich die Aufgabe des Vermögens.

Während in der Ansparphase häufig der langfristige Vermögensaufbau im Vordergrund steht, gewinnt später die Frage an Bedeutung, aus welchen Vermögensbestandteilen regelmäßige Entnahmen finanziert werden sollen.

Ein hypothetisches Beispiel:

Jemand plant in fünf Jahren den Ruhestand. Ein Teil des Vermögens soll anschließend regelmäßig für den Lebensunterhalt genutzt werden.

Wäre das gesamte Vermögen in Aktien investiert und käme es kurz vor oder nach Rentenbeginn zu starken Kursverlusten, könnten notwendige Verkäufe in einer ungünstigen Marktphase stattfinden.

Ein defensiver Baustein kann helfen, Entnahmen weniger abhängig von kurzfristigen Aktienmarktbewegungen zu machen.

Das bedeutet aber nicht, dass jederzeit ein bestimmter Betrag garantiert zur Verfügung steht. Auch Geldmarkt- und Anleiheanlagen können schwanken, und Verkaufbarkeit ist nicht dasselbe wie ein garantierter Verkaufserlös.

Wie groß ein defensiver Anteil in der Ruhestandsplanung sinnvoll ist, lässt sich deshalb nur aus der gesamten Finanzplanung ableiten: aus Ausgaben, sicheren Einkünften, Versorgungslücke, Liquiditätsbedarf, Anlagehorizont und Risikotragfähigkeit.

Fazit

Ein kombiniertes Geldmarkt- und Anleiheportfolio soll nicht sämtliche Schwankungen verhindern.

Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, innerhalb des Gesamtvermögens einen defensiveren Baustein zu schaffen und verschiedene Abhängigkeiten zu verteilen.

Der Geldmarkt bringt sehr kurze Laufzeiten und geringe Zinssensitivität ein. Ultrakurze und kurze Anleihen erweitern das Zinsspektrum, ohne vollständig auf längere Laufzeiten zu setzen. Unterschiedliche Emittenten reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Schuldnern.

Risiken bleiben bestehen – insbesondere Zins-, Kredit- und Marktrisiken.

Deshalb steht am Anfang immer dieselbe Frage:

Welche Aufgabe soll dieses Geld erfüllen – und wann wird es gebraucht?


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